Tabuthema Tod und was wir alle durch Trauer lernen können

Trauer zulassen, Trauer verarbeiten, Trauer bewältigen, Trauer überwinden: Darum geht es im Trauerprozess und seinen einzelnen Phasen.

(bestatter.de)

Hallo ihr Lieben!

Heute gibts mal ein neues und etwas anderes Thema auf meinem Blog. Aber auch dieses liegt mir sehr am Herzen, seit ich vor zwei Jahren das erste Mal so richtig intensiv damit in Berührung bekommen bin. Verlust. Das trifft irgendwann jeden von uns. Und trotzdem wird noch so wenig in unserer Gesellschaft darüber geredet. Ich gehe damit offen um, weil ich gemerkt habe, wie sehr mir das in meinem eigenen Trauerprozess hilft.

Die 4 Phasen der Trauer

Grob kann man die Trauer in vier Phasen unterteilen. Dieses Modell stammt von der Psychologin Verena Kast. Es ist aber sehr individuell, wie lange diese jeweils dauern und wie ausgeprägt sie sind, es gibt kein normal oder richtig/falsch dabei. Sie können jeweils Tage, Wochen, oder sogar mehrere Jahre andauern.

Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Wie der Name der Phase schon hergibt, verleugnen Trauernde den Verlust in dieser ersten Phase oft und stehen unter Schock. Sie können nicht realisieren, was passiert ist und wollen es nicht wahr haben. Es dauert eine Weile, bis die Erkenntnis wirklich durchsickert und man sich dem Schmerz stellen kann.

Phase 2: Aufbrechende Emotionen

Ist die seelische Wunde einmal offen, kommen oft ganz verschiedene Emotionen hoch. Nicht nur Traurigkeit, auch häufig Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle… All diese sind normal und sollten vor allem zugelassen werden, denn nur so kann der Verlust richtig verarbeitet werden!

Phase 3: Suchen und Sich-Trennen

Wenn die Emotions-geladene Phase 2 abgeschlossen ist (was natürlich nicht heißt, dass die Trauer nicht immer wieder hoch kommt, da Trauer nicht linear ist!), beschäftigen sich die Hinterbliebenen oft mit der verstorbenen Person und ihrer eigenen Beziehung zu dieser. Sie erinnern sich an gemeinsame Zeiten, besuchen vielleicht Orte, die sie verbinden und sprechen mehr über die Person.

Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug

In der letzten Phase der Trauer steht das Loslassen und nach vorne-Schauen im Vordergrund. Der Schmerz wird weniger und kommt nur noch gelegentlich auf. Doch das bedeutet nicht, dass man die verstorbene Person vergisst oder weniger vermisst – man entwickelt nur eine andere Perspektive und gewinnt eine gesunde emotionale Distanz.

Dinge, die mich meine eigene Trauer gelehrt hat

Trauer ist nicht linear:

Kein Heilungsprozess ist das. Es gibt immer Aufs und Abs, man wird durch Worte, Bilder und Begegnungen getriggert und fühlt sich zurückgeworfen. Ich hatte auch oft das Gefühl, einen Rückschritt gemacht zu haben, wenn der Schmerz wieder stärker war. Aber das ist Quatsch. Denn das gehört dazu. Wichtig ist, es dann zuzulassen, wenn es geht, sonst bahnt sich die Trauer andere Wege, sich auszudrücken.

Trauer motiviert, zu handeln:

Sie macht dir zwar die Endlichkeit aller Menschen (schmerzlich) bewusst, doch genau das spornt an, sich seine Träume zu verwirklichen und offener zu sagen, was man denkt. Ich habe zum Beispiel gelernt Probleme schneller anzusprechen, statt um jeden Preis Konfrontation zu vermeiden. Man weiß nämlich nie, ob man noch die Gelegenheit haben wird, sich einmal auszusprechen und etwas Grundlegendes zu verändern.

Trauer kann auch schöne Momente hervorbringen:

Ich habe in der Zeit des Trauerns auch wunderschöne Momente erlebt. Trauer kann zum Beispiel Menschen näher zusammen bringen, weil man sich ausspricht, füreinander da ist und sein Umfeld noch mehr schätzen lernt. Außerdem kann es sehr schön sein, Erinnerungen mit der verstorbenen Person nochmal aufleben zu lassen, indem man verbindende Orte besucht oder Dinge, die man immer zusammen gemacht hat, für sich wiederholt und in Gedanken bei der Person ist.

Trauer lehrt uns das Loslassen:

Loslassen ist etwas, das im Leben ungemein wichtig ist, und trotzdem können es die meisten von uns nicht gut. Entweder klammern wir uns an Dinge, die uns nicht mehr gut tun aus Angst vor dem Verlust oder wir kapseln uns völlig ab und verdrängen ihn einfach. Beides ist ungesund. Trauer um einen Verstorbenen lehrt uns genau das, was sehr wertvoll für die Zukunft ist, denn wir werden immer wieder Dinge, Situationen und Menschen loslassen müssen.

Ich hoffe, ihr konntet aus diesem Beitrag etwas für euch mitnehmen. Seid ihr mit dem Thema schon in Berührung gekommen? Habt ihr euch an der einen oder anderen Stelle wieder gefunden?

Bis bald, eure Leo ❤

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